Sachliteratur und Belletristik aus der oder über die Region Mecklenburg-Strelitz - das sind Texte, die Daten und Fakten, Gedanken und Gefühle, Welt- und Zukunftsbilder bewahren und weitergeben. Sie ermöglichen Kommunikation, Reflexion und Forschung. Solche literarischen Dokumente gehören zum kulturellen Gedächtnis einer Region.
Um regionale Literatur zu fördern, schreibt die Annalise-Wagner-Stiftung in Neubrandenburg jährlich einen Preis aus, in diesem Jahr bereits zum 21. Mal: Bis zum 15. März können sich Autoren und Autorinnen oder Autorengruppen um den Annalise-Wagner-Preis 2012 bewerben, teilte die Stiftung mit.
Der Annalise-Wagner-Preis wird für einen wissenschaftlichen, populärwissenschaftlichen oder belletristischen Text vergeben. Er muss sich inhaltlich auf die Region Mecklenburg-Strelitz bzw. auf das Gebiet des historischen Stargarder Landes beziehen oder von Autoren stammen, die in der Region leben. Im vergangenen Jahr ging der Preis beispielsweise an Carolin Philipps für ihre Familienbiografie "Luise - die Königin und ihre Geschwister". Darin beschreibt die Autorin detailliert und spannend erzählt die Lebens- und Wirkungsgeschichte der mecklenburg-strelitzschen Prinzessin und preußischen Königin Luise (1776-1810) und ihrer fünf Geschwister.
Dotiert ist der Annalise-Wagner-Preis mit 2.500 Euro. Zusätzlich kann die Jury eine mit 200 Euro dotierte "Lobende Anerkennung" für junge Autoren (bis 27 Jahre) vergeben.
Wie kann das Gedächtnis einer Region gesichert und für die Nachwelt aufbereitet werden? Diese Frage ließ die selbständige Buchhändlerin Annalise Wagner (1903-1986) nicht ruhen. Als Universalerbin der Privatsammlungen des Neustrelitzer Heimatforschers Walter Karbe (1877-1956) hatte sie ihre besondere Verantwortung für ihr geliebtes Neustrelitz und die historische Region Mecklenburg-Strelitz entdeckt und gelebt.
Nach dem Verlust von Landeshauptarchiv (1934), Landesmuseum (1945) und Landesbibliothek (1950), gründete Annalise Wagner 1956 das Karbe-Wagner-Archiv als öffentlich nutzbare Privatsammlung. 1965 erhielt das Archiv die staatliche Anerkennung und Annalise Wagner eine Anstellung. Als unbequeme, streitbare Frau mit kompromisslosem Anspruch an die "Freiheit des Geistes" und an ein "Leben nach eigenem Entwurf" hatte die Herausgeberin der Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs nicht immer einen leichten Stand.
Wagners Nachlass ging, verbunden mit allen Rechten an ihren literarischen und publizistischen Manuskripten, ihrem letzten Willen entsprechend, an die Stadt- und Bezirksbibliothek, heute Regionalbibliothek Neubrandenburg. Die Stadt Neubrandenburg als Träger der Regionalbibliothek errichtete 1991 die Annalise-Wagner-Stiftung, welche die Aufarbeitung und Pflege des Werkes unterstützt und jährlich den Preis vergibt. Der Annalise-Wagner-Preis war der erste Kulturpreis, der in Mecklenburg-Vorpommern nach 1990 ins Leben gerufen wurde.
Quelle: Annalise-Wagner-Stiftung, Karbe-Wagner-Archiv, Begründung der Jury 2011