22.07.2007 - Wenn der Besucher auf einer Kulturreise in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs ist, dann sollte ein Thema ganz oben auf der Liste seines Besichtigungsprogrammes stehen: Die Backsteingotik mit ihren einmaligen Bauwerken.
Im Rahmen des Projektes "Europäische Route der Backsteingotik" (EuRoB) wird seit 2002 im Ostseeraum eine Tourismusroute entwickelt, die auf Backsteingotik-Denkmäler ausgerichtet ist. Die städtischen und regionalen Sakral- und Profanbauten wurden erfasst und dokumentiert. Zu erkennen sind diese so genannten EuRoB-Bauwerke an einer entsprechenden Plakette.
Zehn Städte/Regionen aus Mecklenburg-Vorpommern sind bereits Projektpartner und auf der EuRoB-Landkarte eingezeichnet:
Der Dom in Schwerin ist ein neues Highlight auf der Route der Europäischen Backsteingotik. Wie Christoph Pienkoss, Projektleiter von "EuRoB" bestätigte, ist die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern das jüngste Mitglied im Verbund.
Im Norden Deutschlands heißt er eigentlich "Ziegelstein" - oder "op platt": "Tegelsteen"; im Süden nennt man ihn eher "Backstein". Seine Vorfahren waren im Nildelta beheimatet. Später gelangte der Backstein über Rom nach Norddeutschland. Die zunehmende handwerkliche Spezialisierung ermöglichten hierzulande die Verwendung des Ziegelsteins für Sakral- und Profanbauten.
Typisch für den Bau ist das unverputzte, ausgefugte Mauerwerk aus Ziegelsteinen. Das Rohmaterial dafür war Lehm oder Ton. Es wurde geformt und gebrannt. So enstand ein künstlicher Stein. Durch die individuelle Anfertigung erhielt jeder Stein sein eigenes Gesicht. Daher zeugt dieser "Lehmklotz" von einer einzigartigen Geschichte: Der Ziegelstein ist der erste Baustoff, der vom Menschen wissentlich geformt wurde.
Mit der Gotik befreit sich die Architektur im 12. Jahrhundert vom antiken Baustil. Die mittelalterliche Kunst verlässt den Weg der römischen Überlieferung. Ein neuer Stil entsteht. Der Backstein ist das Baumaterial dieser Epoche, der so genannten Backsteingotik. Kreuzrippengewölbe, Spitzbögen und Strebewerk lassen nun - unabhängig von der einstigen Grundlage, dem Quadrat - neue Grundrissformen und Bauwerke mit starker Höhenentfaltung entstehen. Die romanischen Mauerwände werden aufgelöst: An ihre Stelle treten Fenster, Tore und steinernes Schmuckwerk. Die Baumeister sind in ihrer Kunst lediglich an Beschaffenheit und Formvorgabe des Ziegelsteines gebunden. Entsprechende Formkästen wurden vorab einfaltsreich kreiert.
Für diesen neuen Baustil brauchte man unzählige handgefertigte Ziegelsteine. Geeignete Lehm- und Tonvorkommen mussten daher erschlossen werden. Die Fertigung der Ziegelsteine war ein gut organisiertes Unternehmen. Starke Geldgeber waren hier gefragt. Die Blütezeit der Hanse brachte es mit sich, dass Ostseestädte wie z.B. Lübeck, Wismar, Rostock und Greifswald ihre Gewinne in diese prächtigen Bauwerke investierten. Die "roten Giganten" waren von See aus schon frühzeitig zu erkennen und wirkten daher wie "Leuchttürme".