06.08.2009 - Wappen sind historische Relikte und werden nur noch aus Tradition verwendet? Weit gefehlt: Immer mehr Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern führen ein eigenes Wappen. Alle Landkreise, alle Städte und 191 der bestehenden Landgemeinden führen mittlerweile ein eigenes Hoheitszeichen. Insgesamt sind bisher 326 Einträge auf der Wappenrolle des Landes registriert, dem offiziellen Verzeichnis der genehmigten Wappen.
Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hofft, dass es bei dieser Zahl nicht bleibt. "Es wäre zu begrüßen, wenn sich noch mehr Kommunen im Land zur Annahme eines eigenen Wappens entschließen würden, spiegeln sich doch in einem Wappen die Besonderheiten eines Ortes auf anschauliche Weise wider" sagte er bei der Übergabe des Wappenbriefs - in ihm wird das Wappen genehmigt - an die Gemeinde Belsch.
Belsch ist der jüngste Eintrag auf der Wappenrolle. Die von Karl-Heinz Steinbruch aus Schwerin entworfene Symbolik mit dem niedersächsischen Bauernhaus und der Flugsanddüne bezieht sich auf die Geschichte der beiden Dörfer Belsch und Ramm, die zur Gemeinde gehören: In historischen Urkunden wird beschrieben, dass die Ackerflur und die Höfe durch Flugsand, den man im südwestlichen Mecklenburg kaum vermuten würde, bedroht waren. Der Legende nach sollen die Flugsandverwehungen sogar zum Untergang des Dorfes Ramm geführt haben.
Mit diesem historischen Hintergrund ist eine wichtige Voraussetzung erfüllt, damit ein Wappen vom Innenministerium genehmigt werden kann: Ein einfaches, allgemeinverständliches Symbol muss die Kommune eindeutig kennzeichnen. Neben historischen Begebenheiten können beispielsweise auch politische oder wirtschaftliche Eigenheiten der Gemeinde im Wappen symbolisch dargestellt werden. Abgesehen von dieser inhaltlichen Vorgabe müssen auch die Regeln der Heraldik, der Wappenkunde, erfüllt sein. Einen Überblick über die Vorraussetzungen, denen ein Wappen genügen muss, gibt das Ministerium auf seinen Internetseiten.
Neben den "offiziellen Aufgaben" auf Amtsschildern und Briefköpfen sowie im Siegel der Gemeinde erfüllen Wappen eine weitere Funktion: Die dort lebenden Menschen können sich mit dem Symbol und ihrer Gemeinde identifizieren. Dies kann zum Beispiel bei der Akzeptanz von Fusionen helfen. Das Ostseebad Heringsdorf schloss sich 2005 mit seinen Nachbarn Ahlbeck und Bansin zusammen. Seit Frühling 2008 führt die "neue" Gemeinde ein eigenes Wappen: Drei Wellen im Wappenbild weisen seitdem auf die früher eigenständigen Kommunen hin.
Quelle: Innenminsterium, Amt Hagenow Land, Ostseebad Heringsdorf, wissen.spiegel.de